Pressekonferenz im Weinhaus Arlt

Rund um Martini (11. November) werden in Österreich über 250.000 Gänse gegessen. Bis zu 80 Prozentdavon stammen aus ausländischer Produktion, vorwiegend aus Ungarn.

Während bei uns Qualpraktiken wie Stopfmast und Lebendrupf bereits verboten sind, werden sie in Ungarn nach wie vor gelebt. Zum Spottpreis werdendieseGänse zu Martini in Handel und Gastronomie angeboten, Rabattaktionen mit Preisen um 3 Euro pro Kilo sind keine Seltenheit. Da die Lebensmittel-Kennzeichnung fehlt, werden die Qualprodukte oftmals ungewollt konsumiert.

Über diese Missstände wurde um Martini mit unserem Biowirten Jürgen Kernzendorfer vom Weinhaus Arlt, unserer stellv. Obfrau Michaela Russmann und Initiator des Tierschutzvolksbegehren Sebastian Born Mena diskutiert.

Das Tierschutzvolksbegehren startet daher von 8. bis 12. November 2019 seine 3. Bundesweiten Aktionstage zur Sensibilisierung von Herkunft & Tierwohl.„Stopfmast und Lebendrupf gehören zu den größten legalen Barbareien im Umgang mit Tieren. Es ist ein Skandal, dass im Jahr 2019 dieseMisshandlung von Lebewesen in der EUüberhaupt noch erlaubt ist. In Ungarn können wir die Gesetze nicht unmittelbar beeinflussen, in Österreich können wir aber für mehr Transparenz und ein bewussteres Konsumverhalten sorgen. Deswegen rufen wir Handel, Gastronomen und Konsumenten dazu auf die ungarischen Qualprodukte zu Martini zu boykottieren und zurösterreichischen Weidegans zu greifen“ sagt Sebastian Bohrn Mena, Initiator des Tierschutzvolksbegehren.

Bei der Stopfmast wird in Käfige gesperrten Gänsen dreimal pro Tag ein Metallrohr in die Speiseröhre gerammt und ein Gemisch aus Mais und purem Fett verabreicht. Ihre Leber kann das nicht verarbeiten und wächst auf die zehnfache Größe an. Sie können sich am Ende der Prozedur nicht mehr bewegen, ihre Beine brechen aufgrund des Übergewichts. Die Mastgänse werden aber auch für die Daunenproduktion missbraucht –ihnen werden bis zu vier Mal bei lebendigem Leib die Federn maschinell oder händisch ausgerissen. Die entstandenen schmerzhaften Wunden werden in der Regel nicht medizinisch versorgt.Das Tierschutzvolksbegehren fordert im Rahmen seiner Kampagne „Wissen, was wir essen“ gemeinsam mit Josef Zotter, „Die BioWirtInnen“ und zahlreichen Landwirten und Gastronomen eine verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln in Gastronomie und öffentlichen Küchen nach Herkunft und Tierwohl.

In der Schweiz sorgt bereits seit 1995 eine entsprechende Deklaration der Lebensmittel für mehr Transparenz. Diese Forderung wird mittlerweile von fast allen Parlamentsparteien, Landwirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Bio Austria, Greenpeace u.v.m. unterstützt, nur die Wirtschaftskammer sperrt sich nachwie vor dagegen.„Wir dürfennicht länger wegsehen, wieTiere bestialisch für den schnellen Profit misshandelt werden. Kein Supermarkt, kein Restaurant und keine Kantine kann sich hier aus der Verantwortung stehlen und sollte gezielt nur noch die österreichische Gans anbieten. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Gesetze nicht unterwandert werden.

Die Wirtschaftskammer muss endlich ihre Blockadehaltung bei der Lebensmittel-Kennzeichnung aufgeben. Damit würde sie ihre indirekte Mitschuld an der Tierqual beenden und heimische Landwirte wie vorbildliche Gastronomen unterstützen“ so Bohrn Mena abschließend.